Sinn finden in einer schwierigen Zeit

22.07.2016

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„Alles läuft schief: privat, beruflich, mit den Untermietern, den Nachbarn … und dann noch Krankheit“ … solche und ähnliche Klagen häufen sich bei den Hilfesuchenden in meiner Praxis. Hinzu kommt noch das Chaos in der Welt, die über die Medien, Nachrichten täglich serviert werden. Aus einer Ohnmachts- und Opferhaltung heraus mit der Fragestellung: „Warum muss mir das passieren? Was kann ich denn dafür….“ wird oft noch Schlimmeres erwartet, und genau das trifft dann auch ein.

„Ein Unglück kommt selten allein!“ – und schon ist eine Kettenfolge in Gang gesetzt. Kann hier noch ein Sinn gesehen werden? Wohl kaum. Dass diese Kettenfolge auch umgekehrt laufen kann, dass Glückserfahrungen weiteres Glück anziehen können, kann sich in dieser Katastrophenzeit kaum jemand vorstellen. Doch das gibt es, weiß auch der Volksmund: „Der Teufel scheißt auf den größten Haufen!“ Diesen Ausspruch nannte mir vor einigen Jahren ein Millionär, der eine sehr große Summe im Lotto gewann.

Gibt es Menschen, die eine Glückssträhne, und andere eine Pechsträhne haben? Und wenn ja, ist dann das Umfeld und / oder jeder selbst beteiligt? Kann es einen Sinn in einer Zeit mit schwierigen Herausforderungen geben? Gibt es Wege, von einem Opfer- zu einem selbstverantwortlichen Schöpferbewusstsein zu gelangen – und von einem Leistungsbewusstsein zu einem Selbstbewusstsein? Wir sind geprägt von unseren

Glaubensmustern.

 

Untersuchungen zufolge (v. a. Prof. Steven Pinker, Harvard-Universität mit 20 Jahre langer Forschung am MIT in Cambridge) ist das Denken in unserer Gesellschaft 95 % negativ ausgerichtet. Er beschreibt eine Wirklichkeitsregenerierung durch Wahrnehmung, wie das Gehirn, das negative Informationen stärker gewichtet, durch zusätzliche Bombardierung negativer Nachrichten den Frieden schlichtweg ausblendet.

In erster Linie wird darauf geachtet, wo etwas falsch läuft. Fehlerkonzentration in der Schule, Ausbildung, im Berufs- und privaten Bereich. In den Medien bestimmen negative Schlagzeilen die Hauptausrichtung.

Wir wachsen in einer Leistungsgesellschaft auf: Hier wird gemessen, verglichen, be- und verurteilt. Das Augenmerk ist auf Fehler ausgerichtet. Wissen bedeutet Macht. Es zählen – überhöht – schulische und berufliche Abschlüsse und Titel, je höher desto besser, um sich auf dem Konkurrenzmarkt zu behaupten. 2016 wurde im Radio und TV mit Interviews verkündet, dass Jugendliche Nachhilfeunterricht nehmen, um von einer zwei auf eine eins zu kommen!

Über das Elternhaus, Schule, Ausbildung, Gesellschaft, haben wir gelernt, die geprägten Meinungen anderer zu übernehmen, anstatt Antworten in uns selbst zu finden. Für das Funktionieren und Überleben war dieses Verhalten eine wichtige und notwendige Hilfe.

Wo ist der Sinn?

fragen sich viele, die sich abrackern, funktionieren, kein Land sehen und darauf schauen, was nicht mehr funktioniert. Nicht nur das Chaos in der Welt, auch der Innere Kritiker vieler Ratloser meldet sich zu Wort: „Das schaffe ich nicht, das kann ich nicht, das ist zu schwer, ich bin nicht gut genug…“ Das macht aggressiv, depressiv, kann zum Burnout führen.

„Wer keinen Sinn im Leben sieht, ist nicht nur unglücklich, sondern kaum lebensfähig.“ (Albert Einstein)

Die Sinn-Suche

beginnt oft erst da, wo Angst und Not am größten ist. Vieles funktioniert nicht mehr wie bisher. Der sicher geglaubte Boden der Komfortzone wackelt. So kann Angst bezogen auf eine Lebenssituation immer ein Hinweisschild für den neuen Weg sein. Dieses Stopp-Schild zeigt: hier geht es nicht weiter. Insofern kann diese Angst auch als Motivations-Hilfe, als Geschenk in verkleideter Form gesehen werden, das zum Wachsen verhilft. Aber: Ein altes vertrautes Muster loszulassen, fällt sehr schwer. Und das, was wir bisher gelernt haben, passt einfach nicht mehr.

Doch wie geht es weiter? Wie kann ich einen Sinn finden?

Sehnsucht nach dem Wesentlichen

In jedem Menschen steckt eine tiefe Sehnsucht nach eigener Ursprünglichkeit, einem Urvertrauen, einem tieferen Sinn, der uns trägt und nährt. Unser Gewissen weiß darum.

Doch dieser Appell, diese Ausrichtung scheint für viele nur ein kleiner Trost zu sein angesichts all der Schrecknisse, die sich im eigenen Leben sowie im Umfeld zeigen.

Wie kann ich in dieser dunklen Zeit Licht finden, das Urvertrauen wiederfinden? Gibt es da überhaupt einen Weg hin?

Ur-Teil versus Ur-Vertrauen

Ein Urteil teilt, trennt, wie es das Wort schon aussagt. Verbunden damit ist Angst, abgetrennt zu sein, nicht mehr dazuzugehören, sich möglicherweise abgeschnitten, allein und einsam zu fühlen. Dabei ist ein Urteilsvermögen durchaus wichtig, an vielen Stellen auch richtig. Oft ist es sogar notwendig, Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen, sowie die Spreu vom Weizen.

Mit Urteilen werden wir groß-“gezogen“, vieles wird verurteilt. Und da sind wir wieder bei der Konzentration auf Fehler! Mit dem Verstand wird so viel Neues entdeckt, jedoch kann er das Ur-Vertrauen, das auf einer ganz anderen Ebene angesiedelt ist, nicht begreifen.

„Intuition ist mehr wert als Wissen. Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)

Angst (gekoppelt mit dem Verstand, oft ego-konzentriert) trennt, Liebe (Urvertrauen) verbindet.
Wir können uns immer fragen: Denken und Handeln wir aus Augst oder aus Liebe?

Das Urvertrauen, in dem die Intuition zu Hause ist, hat keine Grenze, unterliegt nicht dem Gesetz des Verstandes. Hier findet keine Fehlersuche, Wertung, keine Be- und Verurteilung statt. Der Weg zum Sinn, zum eigentlichen Sein ist hier zu finden im Gegensatz der Welt des Habens, das sich im Außen orientiert.

Das heißt nun nicht, die Verstandes-Welt zu verurteilen, sondern eine Integration von Herz und Verstand zu finden, in der das Herz die Führung übernimmt und nicht wie bisher der Verstand.

Wir befinden uns in einem Umbruch, wo die alt gedienten Wege mit Konkurrenz, Haben-wollen, Gier, Neid etc. nicht mehr wie bisher funktionieren. Das Bröckeln dieser Systeme wird deutlich, das Licht scheint immer mehr in diese Bereiche und was lange im Verborgenen schlummerte, wird aufdeckt. Den

Sinn in der Innenwelt

zu erkunden, der dann ganz anders in das Außen, die Welt hineingebracht wird, ist ein lohnenswerter Weg. Diesem Transformationstrend folgen mittlerweile sogar schon einige Unternehmensbosse, wie ich jetzt in einem Interview von Alexander Hartmann vernahm, die – nach vorheriger Ablehnung – täglich meditieren, um in ihre Klarheit und Kraftausrichtung zu kommen.

Hier gibt es verschiedene Wege und Übungen, wie Meditation, Atemübungen etc., um in die eigene Mitte zu kommen, sich hierin immer wieder auszurichten. Dadurch kann unser individueller Lebenssinn, unser Daseinszweck erkannt und danach gelebt werden. Dann können wir inmitten einer katastrophalen Welt ein Fels in der Brandung sein.

Wenn wir nur im Außen unterwegs sind, verzetteln wir uns, suchen Ablenkungen, um uns nicht mit uns auseinanderzusetzen. Denn dann könnten auch erst mal „Altlasten“ aufgewirbelt werden, die lange verdrängt wurden. Doch dieser Weg lohnt sich: Wenn wir uns nicht dahin gehend ändern und Schritte unternehmen, wird – meist nicht so gnädig – das Schicksal von außen dafür sorgen. Alles kommt ans Licht.

Wie drücken wir uns darum, Sinn zu erkennen?

Das ist ja alles gut und schön, mögen manche jetzt denken: „Aber bei mir geht das nicht, weil….“ Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe, Ausreden!

Hier sind wir mit unseren Ängsten konfrontiert, Ängste, alte vertraute Wege zu verlassen. Ängste sind hier mit Emotionen verknüpft, negative Gedanken lösen negative Gefühle aus, (siehe meinen Blog: „Anders denken – besser fühlen“), die sich wiederum auf das Handeln auswirken. Wenn wir uns einreden: „Das ist schwer, das kann ich nicht“, dann werden wir das auch herbeiführen. In dem Wissen, das wir Schöpfer unserer Realität sind, und nicht die Umwelt für unser Unglücklich-Sein verantwortlich machen, können wir uns umprogrammieren: „Es geht mir leicht von der Hand, ich schaffe es!“ Vom Mangel-Denken (Fehlerorientierung) zum Fülle-Denken! Erfolgreiche Menschen denken erfolgreich! Glückliche Menschen denken glücklich! Beides (Glück und Unglück) will aber auch erfahren werden. Wir wählen es, bewusst oder unbewusst. Die Kettenfolge tritt ein: Gedanken werden zu Worten, diese zu Handlungen, diese letztendlich zum Schicksal.

Ausprobieren und schauen was passiert!

Das Böse im Außen gibt es immer noch,
kann jetzt ein Einwand sein. Ja, aber auch die Schatten in uns, die erlöst und in eine neue Ausrichtung transformiert werden wollen.

Wir können das Handtuch werfen, in die Ohnmachtshaltung gehen und „die da oben…“ oder sonst wen beschuldigen. Aber wenn wir wissen, dass Gedanken eine Auswirkung haben, gießen wir dann nicht Öl ins Feuer?

Es ist bequem und einfach, die Opferrolle zu übernehmen und anderen die Schuld zuzuweisen. Das hindert uns, zu uns selbst zu kommen.

Veränderung fängt bei jedem von uns selbst an, sich selbst zu finden, sich an den wahren Kern annähern. Dann finde ich Sinn für mich und auch darin Sinn, welchen Beitrag ich mit meiner neuen Ausrichtung in die Welt geben kann.

Probleme wird es bei jedem von uns und im Außen immer geben. Die Frage ist nur, wie gehen wir damit um?

Zu der immer wieder gestellte Frage: „Warum muss mir das (Unglück) passieren?“ erlebte ich vor einiger Zeit folgendes:
In einem Kreis gab ein Coach mit kirchlichem Amt diese Frage seiner Klientin, die sehr viel durchmache, einen Schicksalsschlag nach dem anderen erleide, an uns weiter. Das mache ihn auch sprach- und hilflos mit seiner Befürchtung, sie könnte dadurch vom Glauben abfallen. Alle, auch der Supervisor schüttelten betreten den Kopf, darauf gäbe es keine Antwort. Ein „Warum“ lässt fassungslos zurück.
Ihm erklärte ich, wie ich in einer Situation auf diese Frage in einem ähnlichen Fall reagierte: Ich fragte diese Frau, wenn sie die Möglichkeit hätte, dieses Leid abzugeben, und ich dazu bereit wäre, würde sie es mir geben? Sie verneinte. Ich fragte weiter: oder ein Verwandter, Nachbar … sie verneinte, ein Soldat in irgendeinem Land, da kam spontan ein „Ja“, das sofort wieder zurück genommen wurde mit der Einsicht: „Nein, es ist meins, ich nehme es jetzt an!“ Ab da konnte sie Verantwortung für ihr Leben übernehmen, und in diesem Fall fand sie durch unsere Gespräche wieder zu ihrem Glauben zurück.

Es ist keine Bestrafung, wie manche verurteilend wähnen, sondern eine Offenbarung, eine Erfahrung der Polaritäten, wie Licht und Dunkel, Schmerz und Freude. Beides gehört zu unserem Leben. Doch möchten viele nur die schöne Seite leben, die andere wird verdrängt, verurteilt, bekämpft. Erst in der Ausrichtung zu unserem Kern, unserem Urvertrauen jenseits der äußeren Welt, sind wir in der Lage, den Sinn zu erkennen, um schöpferisch unsere Realität nach unseren Wünschen, unserem Sinn, gestalten zu können.

Sinn finden wir, wenn wir das, was wir erleben – Schönes wie Schlimmes – zunächst urteilsfrei, also aus der Distanz beobachtend annehmen können. Das heißt nicht, Arges z. B. zu verdrängen und gutzuheißen, sondern sich – ohne zu verurteilen – von dem zu lösen (= hier hat die Scheidung einen Sinn), was nicht in unserer Verantwortung fällt. Das noch vorhandene eigene Resonanzfeld zum Konfliktthema zu betrachten ist ein Prozess, der in Übungsschritten – die ich anbiete – erlernt werden will. Erst dann können Veränderungsschritte in eine neue Richtung gewinnbringend erfolgen. Und gerade an den Herausforderungen, den Stürmen des Lebens wachsen wir. Das bringt dann nicht nur uns weiter, sondern hat auch Einfluss auf unser Umfeld. Erkennen können wir das erst später.

Manchmal hilft uns eine Krise, ein Schicksalsschlag, wieder ganz bei uns anzukommen. Mir ist es oft so ergangen, dass ich in solchen Situationen allein war, aber gerade deshalb in dieser Zeit die größten Erkenntnisse / Wahrnehmungen erfahren durfte.

„Ich bin mit meinem Ich am stärksten bei einem Verlust konfrontiert. Der Schmerz führt mich ganz direkt zu mir.“ (M. Zerhozni)

Mit diesem Durchgangsstadium – mitten durch die Angst – gelangen wir oft zu unserem größten Potential! Vor der größten Stärke liegt oft der Mantel der größten Angst.

Mut gehört zu diesem lohnenswerten Weg. Er hilft, mehr ins Vertrauen zu uns selbst zu kommen, uns selbst zu stärken und unser eigenes Leben zu leben. Ein Leben, das wir am Ende nicht bereuen, sondern mit Dankbarkeit betrachten können.